Ralph Fiennes wird Sir Henry Cecil: Frankels Geschichte kommt ins Kino
Es gibt Geschichten im Galopprennsport, die größer sind als der Sport selbst. Die von Sir Henry Cecil und Frankel gehört dazu – und jetzt wird sie verfilmt. Wie irishracing.com berichtet, übernimmt Ralph Fiennes die Rolle des legendären Newmarket-Trainers. Der mehrfach oscarnominierte Schauspieler („Schindlers Liste“, „Der englische Patient“, „Konklave“) tritt zudem als Executive Producer auf.
Von Voldemort bis zum Kardinal in „Konklave“: Das US-Network CBS porträtiert Ralph Fiennes im ausführlichen Gespräch – ein guter Einstieg für alle, die den Mann hinter dem Namen kennenlernen möchten.
Für seine Rolle als Kardinal Lawrence in „Konklave“ (2024) war Ralph Fiennes für den Oscar und den BAFTA als bester Hauptdarsteller nominiert – der offizielle Trailer des Studios Focus Features.
Ein deutsches Regie-Team für eine englische Legende
Regie führt die deutsche Filmemacherin Nora Fingscheidt, die für „Systemsprenger“ international gefeiert und mit einem BAFTA ausgezeichnet wurde. Das Drehbuch stammt von Bash Doran, bekannt durch ihre Arbeit an „Boardwalk Empire“. Gedreht werden soll im kommenden Jahr; einen Titel und einen Starttermin gibt es noch nicht.
Bemerkenswert ist, was Fiennes gegenüber dem Branchenmagazin Deadline eingeräumt hat: Er habe „nichts über den legendären Henry Cecil gewusst“, bis er das Drehbuch gelesen habe. Das sagt viel darüber, wie sehr unser Sport auch in England außerhalb seiner eigenen Welt unbekannt geblieben ist – und wie groß die Chance ist, die dieser Film bietet.
Aufstieg, Absturz und Rückkehr: Das Leben des Sir Henry Cecil
Denn Cecils Leben taugt tatsächlich für die große Leinwand. Zehnmal Champion-Trainer, 25 klassische Siege in England, über Jahrzehnte das Maß der Dinge in Newmarket. Und dann der Absturz: Alkohol, private Krisen, ein Boulevard-Skandal, das Zerwürfnis mit Scheich Mohammed, der ihm 1995 über Nacht 40 Pferde entzog, und schließlich die Krebsdiagnose. Aus dem einst rund 200 Pferde starken Stall in Warren Place waren um 2005 kaum noch 50 geblieben.
Sir Henry Cecil und Frankel beim ersten British Champions Day 2011 in Ascot – seltene Aufnahmen des bereits von seiner Krankheit gezeichneten Trainers mit dem Pferd, das ihm den Weg zurück an die Spitze ebnete.
Frankel: 14 Rennen, 14 Siege
Dass ausgerechnet in dieser Phase das beste Pferd seiner Laufbahn zu ihm kam, ist die Pointe, die sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken dürfen. Frankel, ein Galileo-Sohn aus der Zucht von Juddmonte in den Farben von Khalid Abdullah, blieb zwischen 2010 und 2012 in 14 Rennen ungeschlagen, gewann zehn Gruppe-I-Rennen und lieferte mit seinem Sechs-Längen-Sieg in den 2000 Guineas 2011 eine der dominantesten Vorstellungen, die je auf der Rowley Mile zu sehen waren.
Die 2000 Guineas 2011 auf der Rowley Mile: Frankel zieht unter Tom Queally vom Start weg davon und gewinnt mit sechs Längen – viele halten es bis heute für das beeindruckendste Rennen, das je in Newmarket gelaufen wurde.
Cecil, bereits schwer gezeichnet von seiner Krankheit, führte ihn bis zum letzten Start in den Champion Stakes in Ascot am 20. Oktober 2012. Acht Monate später, am 11. Juni 2013, starb er im Alter von 70 Jahren.
Der Abschied: Frankels letzter Start in den Champion Stakes 2012 in Ascot – sein 14. Sieg im 14. Rennen, acht Monate vor dem Tod seines Trainers.
Frankel steht heute in Banstead Manor als einer der erfolgreichsten Deckhengste der Welt – auch sein Blut hat längst den Weg auf deutsche Rennbahnen gefunden.
Was uns diese Geschichte bedeutet
Für uns als Rennsportfamilie ist diese Geschichte mehr als Nostalgie. Sie erzählt davon, was einen Trainer ausmacht: Geduld, Instinkt für das einzelne Pferd und die Fähigkeit, nach schweren Jahren weiterzumachen. Wenn ein Film mit dieser Besetzung einem breiten Publikum zeigt, was in unserem Sport an Menschlichkeit steckt, kann das dem Galopprennsport insgesamt nur guttun. Wir sind gespannt – und werden den Kinostart sicher nicht verpassen.
Bis dahin lohnt ein Blick in unsere Übersicht Galopprennsport in Filmen und Serien – von „Seabiscuit“ über „Dream Horse“ bis zur Lomitas-Doku. Der Cecil-Film bekommt dort nach dem Kinostart ganz sicher seinen Platz.
Beitragsbild: KI-generierte Illustration – Rowley Mile in Newmarket und Morgenarbeit auf der Heath
