Dieses Whitepaper ist eine Fallstudie aus einem Stall. Es beschreibt, was wir in einer Saison mit strukturiertem Reiter-Feedback gesehen haben, und was nicht. Es ist keine wissenschaftliche Studie über den Galopprennsport, und wir möchten, dass es auch nicht so gelesen wird. Auf dieser Seite sagen wir vorab, wo die Grenzen liegen, damit niemand sie erst suchen muss.

Methodik und Grenzen des Whitepapers

Was die Daten sind

Grundlage sind 1.559 Reiter-Feedbacks zu 2.861 Trainingseinheiten an 235 Trainingstagen zwischen Januar und Oktober 2026 im Rennstall Figge in München-Riem. Jedes Feedback besteht aus Schlagworten (zum Beispiel „kraftvoll", „gepullt", „geschnauft", „müde") und drei Noten für Leistung, Fitness und Kopf. Es wird direkt nach der Einheit am Media Board im Stall oder in der App eingetragen, vom Reiter, der auf dem Pferd saß. Jedes Feedback ist mit Pferd, Reiter, Lot, Trainingsart, Datum und damit mit Wetter und Rennkalender verknüpft.

Dazu kommen alle 87 Rennstarts des Stalls in dieser Saison laut Deutscher Galopp (Stand 24. Oktober 2026): Platzierung, Starterzahl, Eventualquote, Gewinnsumme und GAG.

Was die Daten nicht sind

Reiter-Feedback ist eine strukturierte Beobachtung, keine Messung. Es gibt keine Sensoren am Pferd, keine Herzfrequenz, keine GPS-Geschwindigkeit. Zwei Reiter können dieselbe Einheit unterschiedlich bewerten, und derselbe Reiter bewertet im Januar vielleicht anders als im September. Wir haben das im Laufe der Saison selbst gemerkt und beschreiben es in Erkenntnis 9: Das Feedback war über Monate freundlicher als die Rennergebnisse. Das ist eine Eigenschaft der Methode, keine Panne, und man muss sie kennen, wenn man die Zahlen liest.

Das Wetter stammt nicht aus einer Messung im Stall, sondern aus den historischen Tageswerten für München-Riem (Open-Meteo). Der Bodenzustand ist nicht beobachtet, sondern aus Niederschlag, Temperatur und Wind der Vortage geschätzt. Für die Trainingsbahn in Riem passt das in aller Regel gut, aber es bleibt eine Schätzung.

Die Stichprobe

Zwölf Pferde, ein Stall, eine Saison. Das reicht, um Muster in diesem Stall zu erkennen, und es reicht nicht, um daraus Regeln für den Rennsport abzuleiten. Viele Zahlen im Papier beruhen auf kleinen Gruppen. „Vier von sieben Starts nach 46 bis 90 Tagen Pause endeten mit einem Sieg" ist eine Aussage über sieben Starts. Wir haben solche Zahlen trotzdem aufgenommen, weil sie zu dem passen, was wir im Training gesehen haben, aber sie sind Hinweise, keine Belege. Wo wir „statistisch gesichert" schreiben, haben wir die beobachtete Häufigkeit mit der für dieses Pferd mit diesem Reiter erwarteten verglichen, bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit unter fünf Prozent. Das gilt im Papier für genau eine Aussage: den Vorteil des ersten Lots.

Die Lücke zwischen Einheiten und Feedbacks

Zu 2.861 Trainingseinheiten liegen 1.559 Feedbacks vor. Das heißt: Zu fast jeder zweiten Einheit hat niemand etwas eingetragen. Wir wissen noch nicht genau, welche Einheiten das sind, ob es eher die unauffälligen waren, eher die hektischen Tage oder eher bestimmte Reiter. Wenn die Lücken nicht zufällig verteilt sind, verschieben sie jede Quote im Papier. Wir werten das gerade nach Monat, Lot und Reiter aus und veröffentlichen das Ergebnis hier, sobald es vorliegt. Bis dahin gilt: Alle Prozentzahlen im Papier beziehen sich auf die Einheiten mit Feedback, nicht auf alle Einheiten.

Ursache und Wirkung

Das Papier zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Dass Pferde nach langen Pausen häufiger gewinnen, kann daran liegen, dass sie ausgeruhter sind, oder daran, dass der Trainer die langen Pausen gezielt vor den passenden Rennen eingeplant hat. Dass das erste Lot die besten Einheiten liefert, kann an der Tageszeit liegen, an frischeren Reitern, an der frisch präparierten Bahn oder an der Bewegung vor dem Training. Wir haben herausgerechnet, welche Pferde und Reiter im ersten Lot gehen; die anderen Erklärungen können wir mit den bisherigen Daten nicht trennen. Wo wir uns eine Erklärung erlauben, ist sie als Vermutung formuliert.

Was das Papier über den Stall sagt – und was nicht

Zwischen dem 1. Mai und dem 3. Oktober hat der Stall kein Rennen gewonnen. Das GAG fiel in dieser Zeit bei sechs von zehn Pferden. Wir haben beides nicht weggelassen, weil es für die Frage, was Reiter-Feedback leisten kann, die wichtigste Beobachtung der Saison ist: Das Gefühl war gut, die Form war es nicht. Das Papier sagt nichts darüber, warum einzelne Rennen verloren gingen, und es bewertet keine Rennplanung. Jeder Start hatte seinen Grund, und die Gründe stehen nicht in den Daten.

Pferde, Reiter, Namen

Pferde sind als A bis L anonymisiert, Reiter gar nicht benannt. Das Feedback dient dazu, Pferd und Reiter zusammenzustellen und Veränderungen früh zu sehen, nicht dazu, Reiter zu bewerten. Deshalb veröffentlichen wir keine Namen und keine Zuordnung, auch nicht auf Nachfrage.

Wer das geschrieben hat

Das System wurde von FIGGE+SCHUSTER entwickelt, der Agentur von Florian Figge, dem Bruder des Trainers. Wir bieten es anderen Ställen an. Das ist ein Interesse, und wir nennen es, statt es zu verstecken. Gerade deshalb stehen Methodik, Stichprobe und die Durststrecke offen im Papier: Wer prüfen will, ob wir uns etwas schönrechnen, soll das können.

Fehler gefunden?

Dann freuen wir uns über eine Nachricht an figge@figge-schuster.de. Wir prüfen jeden Hinweis, korrigieren das Papier mit neuer Versionsnummer und nennen hier, was sich geändert hat und wer uns darauf gebracht hat.

Eigene Saison auswerten?

Wer die Methode anzweifelt oder einfach wissen will, wie seine eigenen Pferde abschneiden, kann uns eine Saison anvertrauen. Wir werten sie nach demselben Schema aus, vertraulich und ohne Verpflichtung. Dreißig Pferde aus drei Ställen sagen mehr als zwölf aus einem.

Häufige Fragen zum Besitz eines Rennpferdes